Gesellschaftlichen Zusammenhalt festigen. Feindselige Einstellungen überwinden.

Pressemitteilung - Archiv

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Zusammenhaltskonferenz Solingen diskutiert die 1. Solinger Mitte-Studie

Am Donnerstag, 17. Juni, begann um 16 Uhr im Theater und Konzerthaus der Stadt die Solinger Zusammenhaltskonferenz – zuko 21. Veranstalter sind die Stadt Solingen (Stadtdienst Integration) und das Diakonische Werk.

Im Fokus der Konferenz steht die erste Solinger „Mitte-Studie“, eine sozialwissenschaftliche Untersuchung von Haltungen, Einstellungen und Vorurteilen, für die im Dezember 20 und Januar 21 eine Stichprobe aus zufällig ausgewählten Solingerinnen und Solingern befragt wurde. Außerdem gingen Ergebnisse aus fünf Diskussionsgruppen und Interviews in die Studie ein. Ziel der Untersuchung war es, Erkenntnisse über das gesellschaftliche Klima bzw. das Spannungsverhältnis von „gesellschaftlichem Zusammenhalt“ und „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ in Solingen zu gewinnen. Etwa 1.600 Solingerinnen und Solinger haben an der Befragung teilgenommen.

Interessierte Solingerinnen und Solinger konnten sich zur Konferenz anmelden und nehmen via Zoom teil, denn es ist der ausdrückliche Wunsch von Stadt und Diakonie, dass die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Studie in der Stadtgesellschaft diskutiert werden.

Die Methodik basiert auf bundesweit anerkannten Untersuchungen, der Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung (Prof. Dr. Zick und Prof. Dr. Küpper) und der Arbeit: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ der (Bertelsmann Stiftung). Finanziert wurde die Studie aus den Förderprogrammen „Demokratie leben“ und „NRWeltoffen“.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach eröffnete die Zusammenhaltskonferenz und würdigte die Studie als „wichtigen Seismographen für eine zukunftsgerichtete Stadtpolitik.“ Die repräsentative Studie zeige zwar, dass es in Solingen aktuell keinen Grund gebe, „die Alarmglocken zu läuten“: eine deutliche Mehrheit der befragten Solingerinnen und Solinger empfinde den Zusammenhalt in der Stadt als intakt und fühle sich durch die Stadtpolitik gut vertreten. Auf der anderen Seite belege sie aber auch, dass vielfältige chauvinistische und rassistische Vorurteile latent vorhanden seien, weshalb die Wachsamkeit der Demokraten dauerhaft gefordert sei. Das Ergebnis, dass nahezu jeder fünfte Befragte glaube, die Politik in Deutschland werde durch Geheimorganisationen gelenkt, gebe durchaus Grund zur Sorge.

Tim Kurzbach: „Im Schatten der Corona-Pandemie ist in Teilen der Bürgerschaft Unzufriedenheit entstanden, Freiheiten wurden notgedrungen eingeschränkt, das Leben „von oben“ vielfach reglementiert. Die Menschen hatten Sorgen um ihre Arbeit und ihre Zukunft. Solche Ängste und Nöte bilden immer einen Humus, auf dem Verschwörungstheorien und einfache Schuldzuweisungen wachsen und gedeihen. Wir müssen achtsam sein, dass aus kleinen Zirkeln von Querdenkern und ähnlichen Ideologen keine politischen Bewegungen entstehen, die unsere demokratische und vielfältige Gesellschaft erschüttern können.  Die Mitte-Studie bestärkt uns kommunalpolitisch Verantwortliche darin, den guten Kurs, den wir in Solingen seit Jahrzehnten verfolgen, weiter fortzusetzen: 140 Nationen - eine Stadt. Solingen ist gelebte Vielfalt. Und das ist gut so.“

Ulrike Kilp: Diakonisches Werk: „Die Mitte-Studie fragt nach den Hintergründen unserer Motive und Vorstellungen vom Zusammenleben in Solingen. Es hat uns gerade „die Mitte“ interessiert. Du und ich, unsere Nachbarn, Kollegen, Alte, Junge, Ur-Solinger und Zugewanderte. Wir haben einen Tiefenblick bekommen, wie wir uns gegenseitig wahrnehmen. Wir werden die Befunde offen und ehrlich mit den Menschen in der Stadt diskutieren. Wir werden als Diakonie nicht müde, uns für respektvolles Klima und Zusammenhalt in Solingen einzubringen. 

Michael Roden, Stadtdienst Integration: „Es ist sehr hoch erfreulich, dass wir in Zusammenarbeit mit Prof. Zick und seinem Team noch mehr über uns Solinger:innen erfahren und lernen können. Jede:r einzelne von uns 160.000 Menschen hat es verdient, sich hier so wohl und anerkannt zu fühlen, wie jede:r andere. Die vertiefenden Hinweise auf konkrete Herausforderungen in unserem Zusammenleben sind auf Dauer von großem Wert.“

Schlaglichter zur Mitte Studie:

Zweck der Untersuchung: Ein Leitziel kommunalpolitischen Handelns ist die Förderung bzw. der Erhalt des Zusammenhaltes einer heterogenen Stadtgesellschaft und die Vermeidung von Rassismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Homophobie, etc., sprich von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Die Stadt Solingen und das Diakonische Werk verfolgen mit der vorliegenden Studie den Zweck, in regelmäßigen Abständen eine empirisch abgesicherte Informationsgrundlage zu diesen gesellschaftlichen Phänomenen und möglichen Einflussfaktoren zu schaffen.

Kernaussagen gesamt

•        Die überwiegende Mehrheit der Solinger:innen nimmt einen intakten Zusammenhalt in der Stadt wahr und hegt keine menschenfeindlichen Einstellungen.

•        Teile der Bevölkerung sind offen für Verschwörungsideologien, empfinden sich politisch desillusioniert und/oder haben feindliche Einstellungen gegen verschiedene Gruppierungen.

•        Vermehrte Kontakte und Begegnungen verschiedener Gruppen, gesellschaftliche und politische Beteiligung sowie eine Ausweitung von Bildungsangeboten scheinen die geeigneten Schlüssel zu einem noch stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt

Schlussfolgerungen für die Stadtpolitik:

•        Wenn das Leitziel die weitere Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ist, empfehlen sich auf Basis der Erhebung, die Verfolgung folgender Mittlerziele:

•        Kontakte diverser Gruppen untereinander erleichtern

•        Verschwörungsglauben ernst nehmen und bearbeiten

•        Politische Beteiligung ausbauen

•        Mehr Bildung ermöglichen

•        Das Vertrauen in Institutionen stärken

•        Klima der Anerkennung und Solidarität schaffen

An der Studie arbeiteten mit:

Thomas Groos
Klingenstadt Solingen (Abteilungsleitung Statistik) wissenschaftliche Begleitung und Beratung, Ziehung und der Stichprobe, Auswertung der Daten

Anno Kluß
context GbR, Gesamtleitung der Durchführung und Auswertung

Ulrike Kilp
Diakonisches Werk im Evangelischen Kirchenkreis, Trägerin der Studie

Michael Roden
Klingenstadt Solingen (Stadtdienst Integration) Koordinierung Antidiskriminierungs- und Antirassismusarbeit, Initiierung der Studie

Fakten zur Studie

Die quantitative Befragung

Online-Fragebogen an 10.000 Solinger*innen

Viersprachig: Deutsch, Englisch, Türkisch, Französisch

Zufallsstichprobe: geschichtet nach Alter, Stadtbezirk und Migrationshintergrund

Erhebungszeitraum: 11.12.2020 - 10.01.2021

Rücklauf: 1.576 verwertbare Antworten

Gewichtung nach Schichtungsmerkmalen, Repräsentativität gegeben

Wiederholungsbefragung bei 85% der Befragten im Jahr 2024 geplant und möglich

Die qualititative Befragung

5 Gruppendiskussionen mit Solinger Bürger*innen

pro Stadtbezirk 4 - 5 Teilnehmende

insgesamt 23 Teilnehmende zwischen 19 und 67 Jahren

davon 12 weiblich, 11 männlich

18 ohne, 5 mit Zuwanderungserfahrung

à 1,5 h (via Zoom)

Erhebungszeitraum: 01.12.2020 - 26.01.2021

5 Leitfadeninterviews mit Solinger Expert*innen für die Themenfelder:

Arbeit mit sozial benachteiligten Gruppen, Wirtschaft, Politik, Schule und Sport

40 Minuten (via Telefon)

Erhebungszeitraum: 03.-21.12.2020