Schicksale

Hans Bardo

geboren: 19. August 1901 in Rombach, Kreis Metz
gestorben: unbekannt

Lebensweg

Der kaufmännische Angestellte Hans Bardo dient von 1927 bis 1932 fünf Jahre lang in der französischen Fremdenlegion. Von 1932 bis 1935 gehört er dann als Bariton den „Five Harmony Singers" an. Das Quintett gastiert in mehreren Städten Deutschlands und der Schweiz und tritt in Varietes und Kabaretts auf. Am 8. November 1934 äußert sich der angetrunkene Bardo in einer Gesprächsrunde im „Weißen Bräuhaus" in München abfällig über den am gleichen Abend stattfindenden NS-Aufmarsch vor der Feldherrenhalle. Nach Zeugenaussagen sagt er unter anderem: „Wegen der neun geschissenen Toten der NSDAP macht man eine solche Gaudi!" Am 14. März 1935 wird er vom Amtsgericht München wegen Beleidigung der NSDAP, der SS und der bayerischen Politischen Polizei sowie Erregung öffentlichen Ärgernisses zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, die er bis zum 6. August 1935 in der Strafanstalt Stadelheim absitzt.

Kaum auf freiem Fuß, äußert er sich am 28. August in einem Münchener Cafe erneut regimekritisch und wird am folgenden Tag festgenommen. Am 22. Oktober 1935 wird per Strafbefehl eine dreiwöchige Haftstrafe ausgesprochen, die Bardo im KZ Dachau abzuleisten hat. Dort wird er bis März 1936 festgehalten. Von den Mitgefangenen erhält Bardo den Lagername „Titipu". Im März und im Juni 1938 wird er in Saarbrücken erneut wegen Gegnerschaft gegen das System in Schutzhaft genommen und am 30. Juli 1938 in das KZ Buchenwald überführt. Mit einer Freilassung vor Ende des Krieges ist laut Gestapo „nicht mehr zu rechnen." In Buchenwald bleibt er bis zum November 1942 inhaftiert. Anschließend wird er von der Gestapo Saarbrücken bis zum Januar 1943 festgehalten und später vermutlich zur Wehrmacht eingezogen. Erst 1948 kehrt Hans Bardo aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück und lässt sich in Solingen nieder. Er ist nicht mehr in der Lage, ein geregeltes Berufsleben aufzunehmen.

Text: Armin Schulte

Stand: 28.9.2008