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Stand 27.08.2020

In Solingen leben Menschen aus 140 Nationen.

Dragan Denic

„Das private Engagement meiner Lehrerin hat mir sehr viel gebracht“

Dragan Denic
Foto: Uli Preuss
Text: Jutta Schreiber-Lenz

Der gebürtige Serbe kann sich noch gut an die Karstadt-Eröffnung erinnern

Dragan Denic kam als Zwölfjähriger mit seinen Eltern nach Solingen. „Da war Karstadt gerade ganz neu gebaut, und ich bekam bei der Eröffnung als Einführungs-Geschenk ein Federmäppchen“, erinnert sich der gebürtige Serbe schmunzelnd. „Ich kann immer noch fühlen, wie überrascht, stolz und glücklich ich in diesem Moment war.“ Der heute 60-Jährige stammt aus Belgrad, damals noch Teil des Staats Jugoslawien. „Zunächst war nur von ein, zwei Jahren in Deutschland die Rede“, sagt er – „aber es wurden immer mehr. Ich bin für immer geblieben.“ Die Kriege in der alten Heimat später waren der Grund, warum er mit seiner Frau Iris und den beiden Kindern Florijan und Darinka nicht oft dorthin gefahren ist, wie er es sich gewünscht hätte. Gerne hätte er ihnen mehr gezeigt. „Aber das war mir zu heikel.“

„Gastarbeiter-Kind“, sagten seine Mitschüler an der Hauptschule Kannenhof, der heutigen Alexander-Coppel-Gesamtschule, damals oft, wenn sie von ihm sprachen. „Aber das war nicht böse gemeint“, sagt er. Gerne erinnert er sich an seine liebevolle „Nebenher-Integration“ in Solingen. „Beim Spielen und beim Fußball habe ich die Sprache gelernt, und eine Lehrerin ist oft extra für mich eine halbe Stunde länger geblieben, um mir alles nochmal genauer zu erklären.“ Erst viel später sei ihm klar geworden, dass das ihr freiwilliges Engagement gewesen war. „Dafür bin ich heute noch sehr dankbar.“

Nach der Schule machte Dragan Denic eine Ausbildung zum Chirurgie-Mechaniker, eine dreieinhalbjährige anspruchsvolle Lehre. Er sei durch seine Mutter, die im Krankenhaus Bethanien arbeitete, viel mit diesen Instrumenten in Berührung gekommen. „Die Frage, wie so etwas hergestellt wird, was so wichtig ist, um Patienten zu behandeln, hat mich fasziniert.“ Längst ist er Betriebsmeister und arbeitet seit langem als Betriebsleiter in einem Unternehmen in Leverkusen.

Beständigkeit ist ein Wert, der Dragan Denic sehr wichtig ist und der sich durch alle Bereiche seines Lebens zieht. Seit 38 Jahren ist er mit seiner Frau zusammen, seit 27 Jahren sind die beiden verheiratet. Dass er in „ihrem“ Stadtteil Gräfrath selbst Wurzeln geschlagen hat, zeigt sich in seiner unermüdlichen und eifrigen Tätigkeit im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Gräfrather Vereine. Zwar ist er, nach zwölf Jahren, nun nicht mehr deren Vorsitzender, aber doch Ansprechpartner für die Medien, emsiger Kommunikator und motivierter „Mitmacher“. Er engagiert sich als ausgebildeter Übungsleiter im Sportverein, in der evangelischen Gemeinde und legt beim Marktfest und beim Anbringen der Weihnachtsbeleuchtung in vorderster Reihe Hand an. Auch Wahlhelfer war er schon.

Wichtig ist ihm, auch die junge Generation mit einzubinden und ihnen – bei allen Neuerungen ihrer Zeit – den Sinn für Traditionen vorzuleben und sie mitzuziehen. Bei Florijan (27) und Darinka (24) hat das gut funktioniert. Der IT- und Mechatronik-Student und die gelernte Erzieherin engagieren sich gerne und selbstverständlich ehrenamtlich in Gräfrath und damit für Solingen.

Dragans Eltern sind inzwischen wieder zurück in die alte Heimat Serbien gegangen. Für ihn war das nie ein Gedanke. „Ich bin hier angekommen“, sagt er, der schon lange einen deutschen Pass hat und sich komplett als Solinger fühlt. „Natürlich mit serbischen Wurzeln, aber meine Kinder sprechen allenfalls ein paar Bröckchen serbokroatisch.“ Eine Zweisprachigkeit habe sich nicht angeboten: „Wichtiger sind ja auch andere Sprachen wie Englisch und Französisch.“

Im Portrait
  • Dr. Gia Phuong Nguyen
    Der Chefarzt kam als Achtjähriger von Vietnam nach Deutschland
  • Shabnam Arzt
    Die gebürtige Perserin wanderte über den Umweg „Türkei" nach Deutschland aus
  • Calogero Vinciguerra
    Der in Solingen geborene Italiener ist der erste EU-Feuerwehrmann der Klingenstadt.
  • Manuel Lisboa
    Der Angolaner und „Ehren-Portugiese“ hat zahlreiche Ehrenämter
  • Rose Mersky
    Die US-Amerikanerin Rose Mersky begann mit Ende 50 ihr neues Leben in Deutschland
  • Hashem Mohammed Hikmat
    Er floh aus Afghanistan, kehrte wieder zurück – und musste erneut fliehen
  • Clinton Thomson
    Der Tennis-Profi besitzt die australische und deutsche Staatsbürgerschaft
  • Brigitte Annessy
    Die vielseitige Künstlerin kam von Paris über die Kölner „Lindenstraße“ nach Solingen
  • Kanak Chandresa
    Der indische Naturwissenschaftler hat das Malen für sich entdeckt
  • Dragan Denic
    Der gebürtige Serbe kann sich noch gut an die Karstadt-Eröffnung erinnern
  • Rita Kuckelberg
    Sie kam als Kind griechischer Gastarbeiter in die Klingenstadt
  • Aissa Aurag
    Der Marokkoner kam durch seinen Hauptschul-Rektor aufs Gymnasium
  • Ingrid Lauterjung
    Sie kam der Liebe wegen aus dem belgischen Knokke nach Solingen

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