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Stand 27.08.2020

In Solingen leben Menschen aus 140 Nationen.

Rose Mersky

„Ich mag Solingen wegen der netten Menschen, der Kultur und dem vielen Grün!“

Rose Mersky
Foto: Uli Preuss
Text: Jutta Schreiber-Lenz

Die US-Amerikanerin Rose Mersky begann mit Ende 50 ihr neues Leben in Deutschland

Rose Mersky kam der Liebe wegen über den großen Teich. Seit über 13 Jahren lebt die Amerikanerin aus New York nun schon mit ihrem Partner im Bergischen: erst in Remscheid und seit knapp sechs Jahren in Solingen. Die Wohnung mit dem Ausblick ins Grüne habe sie überzeugt, schmunzelt Rose, die es schafft, binnen Minuten eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen: frischer Kaffee, ein gemütlich hergerichteter Esstisch, ihr warmes Lachen.

Nach dem Tod ihres Mannes wurde aus der guten Freundschaft zu Burkard Sievers mehr. „Wir arbeiten im gleichen Metier und sind uns immer wieder mal begegnet“, erzählt die lebhafte Frau mit dem charmanten Akzent. „Bei einem Symposium in London hat es dann gefunkt.“ Die selbstständige Organisationsentwicklungsberaterin und Executive Coach war und ist viel unterwegs – in den USA, Australien, Südafrika und Chile, aber auch in England, den Niederlanden, Bulgarien, Serbien, Dänemark oder in der Bundesrepublik.

Rose Mersky hat die sozioanalytische Methode des Sozialen Traum-Zeichnens entwickelt; Burkard Sievers ist emeritierter Professor für Organisationsentwicklung und hatte einen Lehrstuhl an der Bergischen Universität Wuppertal. „Ich habe keine Kinder, die ich in den USA hätte zurücklassen müssen“, sagt Rose. Trotzdem sei es „natürlich ein Schritt“ gewesen, sich mit fast sechzig Lebensjahren komplett umzutopfen. Aber Bequemlichkeit und Stillstand hat es bei ihr nie gegeben. Vor erst einem Jahr beendete sie ihre Dissertation an der Faculty of Health and Applied Sciences an der Universität West England in Bristol, an der sie acht Jahre lang eingeschrieben war.

Ihre beruflichen Wurzeln stecken als Erzieherin und Grundschullehrerin in der „early child education“. „Ich liebe Kinder“, sagt sie etwas wehmütig, denn eigene waren ihr ja nicht vergönnt. Umso mehr genießt sie es, nun über ihren Mann eine große Familie zu haben: Vier Kinder brachte Sievers  mit in die Beziehung. Beim gemeinsamen „Elfer-raus“-Spielen brach das Eis schnell. „Inzwischen habe ich fünf Enkelkinder“, strahlt Rose.

Sie konnte kaum Deutsch, als sie herkam. Eiserne Sprach-Studien an der VHS in Elberfeld und am Goethe-Institut waren die eine, das „Networking“ mit netten Nachbarn und neuen Freunden aber die mindestens genauso wichtige andere Säule. „Man muss sprechen, wenn man gut werden will“, betont sie. Freunde: Die hat Rose Mersky beispielsweise im Ketzberger Gospelchor „Unisono“ gefunden, bei dem sie seit sechs Jahren mitsingt. Zufällige private Querverbindungen führten dazu, dass sie Chorleiterin Elisabeth Szakács anrief und ein Kennenlern-Gespräch vereinbarte. „Eigentlich gab es gar keinen Platz mehr für mich“, erzählt Rose. „Aber als sie mir eine CD ihrer Songs vorspielte, habe ich spontan mitgegroovt – und dann war ich drin.“

Rose Mersky ist amerikanische Staatsbürgerin. Gerne hätte sie auch den deutschen Pass. „Aber beides geht nicht“, bedauert sie. „Seit Trump gewählt wurde, überlege ich allerdings ernsthaft, ob ich wirklich noch zu den USA gehören möchte.“ Zumal sie längst angekommen ist:  „Mein Leben ist Solingen! Ich mag die Stadt wegen der netten Menschen hier, dem vielen Grün, der Kultur…“ Auch die Nähe zu den Großstädten Köln und Düsseldorf mit ihren Flughäfen schätzt die Vielfliegerin – „und dem Trubel, wenn ich ihn mal möchte“. Dass sie immer schon eine Beziehung zu Solingen hatte, wusste Rose lange gar nicht: Ein altes Tranchierbesteck mit Horngriffen und schönen Damaszier-Klingen war „immer schon“ in der Familie. „Erst seit ich hier lebe, ist mir aufgefallen, dass es aus der Klingenstadt stammt“, sagt sie lächelnd und zeigt die Gravur: Anton Wingen, Solingen.

Im Portrait
  • Dr. Gia Phuong Nguyen
    Der Chefarzt kam als Achtjähriger von Vietnam nach Deutschland
  • Shabnam Arzt
    Die gebürtige Perserin wanderte über den Umweg „Türkei" nach Deutschland aus
  • Calogero Vinciguerra
    Der in Solingen geborene Italiener ist der erste EU-Feuerwehrmann der Klingenstadt.
  • Manuel Lisboa
    Der Angolaner und „Ehren-Portugiese“ hat zahlreiche Ehrenämter
  • Rose Mersky
    Die US-Amerikanerin Rose Mersky begann mit Ende 50 ihr neues Leben in Deutschland
  • Hashem Mohammed Hikmat
    Er floh aus Afghanistan, kehrte wieder zurück – und musste erneut fliehen
  • Clinton Thomson
    Der Tennis-Profi besitzt die australische und deutsche Staatsbürgerschaft
  • Brigitte Annessy
    Die vielseitige Künstlerin kam von Paris über die Kölner „Lindenstraße“ nach Solingen
  • Kanak Chandresa
    Der indische Naturwissenschaftler hat das Malen für sich entdeckt
  • Dragan Denic
    Der gebürtige Serbe kann sich noch gut an die Karstadt-Eröffnung erinnern
  • Rita Kuckelberg
    Sie kam als Kind griechischer Gastarbeiter in die Klingenstadt
  • Aissa Aurag
    Der Marokkoner kam durch seinen Hauptschul-Rektor aufs Gymnasium
  • Ingrid Lauterjung
    Sie kam der Liebe wegen aus dem belgischen Knokke nach Solingen