14. Juli 2021

Stand 15.07.2022

Ein Jahr nach dem Hochwasser: Blick zurück - und nach vorn!

 

Hochwasser in Unterburg

Vor einem Jahr kam das große Unwetter – und damit auch ein Jahrhundert-Hochwasser über unsere Stadt. Solingen erlebte Stunden und Tage im Ausnahmezustand. Die Wassermassen zerstörten Existenzen, kosteten ein Menschenleben und verursachten gewaltige Schäden, die noch lange nicht alle beseitigt sind. Ich war an diesem Abend, in dieser Nacht und in den Tagen danach an vielen Stellen vor Ort. Es wird Jahre dauern, bis die Schadensliste komplett abgearbeitet ist. Allein die Stadt Solingen wird dies rund 30 Millionen Euro kosten. Straßen, Brücken, Gebäude, Denkmäler, Wälder, Wasserläufe … Die Spuren sind auch zwölf Monate danach noch an vielen Stellen zu sehen. Vor allem aber sind sie bei vielen Menschen in unserer Stadt noch zu spüren: materiell, finanziell und emotional.

Was die Stadt tun konnte, um zu helfen, hat sie getan. Aber natürlich ist dies an mancher Stelle weder genug gewesen, noch war es immer so schnell möglich, wie sich das Betroffene gewünscht haben. Dies ist die Schwierigkeit bei einer flächendeckenden Katastrophe dieses Ausmaßes.

Deshalb machen wir im Rathaus weiter. Wir beraten und vermitteln nach wie vor, um Menschen zu helfen, die vom Hochwasser hart getroffen wurden. Wir haben im vergangenen Jahr viel Spendengeld gesammelt und dorthin vermittelt, wo Not und Bedarf am größten waren. Das ist das, was wir akut tun konnten.

Zudem ziehen wir unserer Lehren aus dem, was am 14. Juli und in den Tagen danach passiert ist. Die Ausmaße der Katastrophe waren so nicht vorherzusehen. Das haben Untersuchungen und Gutachten im Nachgang bestätigt. Der Katastrophenschutz durch unsere Feuerwehr und durch die Hilfsorganisationen hat sehr gut funktioniert. Die Einsatzkräfte haben alles getan, um Schlimmeres zu verhindern.

Den Dank an diese Frauen und Männer, die in den Hochwassertagen weit über ihre Erschöpfungsgrenze gegangen sind, wiederhole ich seit dieser Nacht immer und immer wieder. Ebenso erneuere ich bei jeder Gelegenheit den Dank an all die Menschen, die einfach angepackt haben, um der Nachbarin, dem Nachbarn oder anderen zu helfen, die es härter getroffen hat. Unsere Stadtgemeinschaft hat hier einmal mehr bewiesen, welch großartige Kraft sie von heute auf morgen entfalten kann. Als Oberbürgermeister weiß ich: Auf uns ist Verlass.

Seit dem Juli 2021 arbeiten wir intensiv daran, den Katastrophen- und Hochwasserschutz in unserer Stadt weiter zu verbessern. Ihn so leistungsfähig zu machen, dass die Prävention ähnliche Ereignisse möglichst verhindert. Die Erfahrung des 14. Juli 2021 hat uns gezeigt, womit beim Blick auf die klimatischen Veränderungen  gerechnet werden muss, welche extremen Lagen denkbar sind. Das schafft eine neue Situation mit neuen Fragen und Szenarien, auf die wir neue Antworten finden müssen. Das betrifft die Struktur und Abläufe unseres Krisenstabes, das betrifft die Zusammenarbeit mit dem Wupperverband, das betrifft die Ausstattung unserer Katastrophenschutzkräfte und es betrifft die Planungen für städtische Infrastruktur, die noch katastrophenfester erfolgen muss.

An all dem arbeiten wir. Als Oberbürgermeister habe ich den Auftrag erteilt, den Katastrophen- und den Zivilschutz noch viel stärker als bisher in den Fokus zu rücken. Daher hat sich im Spätsommer 2021 ein ständiger Arbeitskreis aus Expertinnen und Experten gebildet, um den Herausforderungen gewachsen zu sein, mit denen wir in Zukunft rechnen müssen.

Auch der aktuelle Blick nach Ost-Europa und auf die Weltlage zeigt, dass wir uns mit Krisenszenarien beschäftigen müssen, die wir lange nicht gekannt haben.

Ein Jahr nach dem Hochwasser sollten wir alle einmal innehalten. Denken wir zurück an jene Stunden, und an diejenigen, die besonders unter der Hochwasser-Katastrophe leiden mussten. Schauen wir aber auch nach vorn und packen wir die Aufgaben an, die uns gestellt werden.

Ihr

Tim-O. Kurzbach
Oberbürgermeister